ars-et-saliva


david p. eiser
 

zeitraffer



 
 

was fehlt der welt, um gefährder wie Putin zu neutralisieren ?


für den fall, dass die öffentliche sicherheit und ordnung bedingt durch krank-
haftes verhalten eines menschen gefährdet sind, gibt
es in Deutschland gesetz-
liche regelungen (die sog. PsychKGs (psy
chisch-krankenhilfe-gesetze)), mit
deren hilfe - bei bedarf auch
gegen den willendes betroffenen bürgers/der betr.
bürgerin - frei
heitsentziehende massnahmen gerichtlich angeordnet werden
können.


sie dienen dazu, diagnostisch zu klären, ob und welcher psychiatrisch relevan-
te befund eine zwangsweise zuführung rechtfertigt und ggf. welche therapeu-
tischen massnahmen ergriffen werden müssen, um den gefährdungszustand
zu beenden.



psychische ausnahmezustände können zu eigen- oder/und zu fremdgefährdung
führen, so dass in jedem fall nicht nur therapeutisches vorgehen erforderlich ist,
sondern dabei auch der schutz der öffentlichkeit gewahrt werden muss.



solch extreme, bedrohliche psychischen beeinträchtigungen kommen nicht nur
bei schizophrenen erkrankungen und vergiftungszuständen vor sondern werden
auch beobachtet, wenn sich wahnhafte entwicklungen zeigen, die auf der basis
sog. fixer ideen entstanden sind.


fixe ideen sind laut WIKIPEDIA:


Eine überwertige Idee (auch: fixe Idee) ist ein dauerhaft lebensbestimmen-
der Leitgedanke
, der Motivation, Antrieb und Volition (Willensbildung) beein-
flusst und mit intensiver 
Emotionalität besetzt ist. Personen mit einer überwer-
tigen Idee sind subjektiv von diesem Leitgedanken überzeugt und ihr Handeln
ist davon getragen. Das Denken kann dabei perseverierend um die damit ver-
bundenen Vorstellungen kreisen und andere Gedanken verdrängen.


Die daraus resultierende Vernachlässigung alltäglicher Aufgaben der Lebens-
bewältigung führt zu Isolation, Selbstvernachlässigung und Verschrobenheit.
Die Person ist für Gegenstandpunkte und Einwände nur schwer zugänglich.

Fortschreitend wird die Verwirklichung der eigenen Überzeugungen entge-
gen allen Widerständen zum Lebensziel.


Häufig ist eine überwertige Idee bei religiösen Fundamentalisten oder poli-
tischen Fanatikern anzutreffen
und steht dem Wahn und den Zwangsstörungen
nahe.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Denkst%C3%B6rung#Inhaltliche_
Denkst%C3%B6rungen
)



als am 24. Februar 2022 nach monatelangen vorbereitungen russische truppen in
die Ukraine einfielen, sah sich die welt einem ereignis ausgeliefert, für das sich in
den demokratischen „staaten des Westens“ keine vernünftige erklärung anbot.
fassungslosigkeit machte sich breit, und es dauerte eine kleine weile, bis sich die
westliche welt darauf eingerichtet hatte, den pfad der beschwichtigung und des
vertrauens zu verlassen und stattdessen eine robuste ökonomische, politische und
militärische gegensteuerung aufzubauen, weil es von seiten Russlands keinerlei
anzeichen gab, sich auf eine rationale verständigung einzulassen.



mit aller gewalt war ein krieg vom zaun gebrochen worden gegen ein friedliches
nachbarland, das keinerlei aggressive signale gesetzt hatte sondern sogar immer
als ur-russisches bruderland bezeichnet worden war.


wie passte das zusammen?


es gibt mittlerweile eine ganze reihe von büchern und essays, deren autoren sich
mit der person Putin befasst haben und ihn als emporkömmling beschreiben, der
unter einer ausgeprägten mindergeltungsangst zu leiden scheint und deshalb
kompensatorisch dazu neigt, durch spektakuläre verhaltensweisen die aufmerk-
samkeit auf die bedeutung seiner person zu lenken.



seine vorstellungen von einem grossen und mächtigen Russland (und keiner re-
gionalmacht) einerseits und seine angst vor angeblichen verderblichen gesell-
schaftlichen entwicklungen wie sie sich in den westlichen demokratien zeigen
und – wenn sie in Russland fuss fassen würden – ihn und seine gefolgschaft und
damit sein persönliches „reich“ gefährden, zwingen ihn in eine fortbestehende ver-
teidigungs- und abwehrhaltung.



ein gewichtiger anteil seines denkens wird zudem bestimmt vom thema schwulen-
feindlichkeit; denn er sieht seine russische gesellschaft unmittelbar bedroht von
einer sexuellen abartigkeit. im kampf dagegen hat er sich sogar mit dem ober-
haupt der orthodoxen kirche verbündet, dem patriarchen Kyrill II., um seinen vor-
stellungen von einer „reinen“ gesellschaft mit religiöser unterstützung nachdruck
verleihen zu können.



da sich der Westen bisher wenig für seine persönlichen anliegen interessiert hat
sondern sich alle mühe gegeben hat, auf einer rationalen ebene mit ihm über
geschäfte und integration in europäische vorstellungen zu sprechen, blieb Putin
irgendwann nichts anderes übrig als sich mit hilfe einer aggressiven reaktion ge-
hör und verständnis für seine gefühle zu verschaffen.



die bisherigen zurückhaltenden reaktionen des Westens auf russische militärische
aktionen ermunterten ihn, ein gewagtes spiel zu eröffnen, im glauben, erneut un-
geschoren davonzukommen und gleichzeitig einen wesentlichen keil in das be-
drohliche, verhasste Europa treiben zu können, in der hoffnung auf baldigen zer-
fall und damit ein ende der permanenten gesellschaftlichen bedrohung zu erreichen.


frieden zwischen Russland und Europa war und ist für ihn nicht vorstellbar,
solange er sich persönlich beeinträchtigt fühlt, solange sein gesellschaftli-
ches weltbild rundhe-rum konterkariert und seine weltsicht in frage gestellt
wird.



um sich und sein volk aus dieser vermeintlichen bedrohung zu befreien, greift er
zu den stärksten waffen, die ihm zur verfügung stehen: terror und krieg
.


seine motivation ist erkennbar mit tiefer emotionalität besetzt. sein denken, fühlen,
wollen und handeln werden von dieser permanenten bedrohungsidee getragen.
jeglicher widerstand wird als persönlicher angriff gewertet und setzt heftige ab-
wehrmassnahmen in gang, bis hin zu tötungsbefehlen (in einzelfällen sowie in
form eines brutalen angriffskrieges auf ein ganzes land, das bisher lediglich mit
dem gedanken gespielt hat, seinen westeuropäischen nachbarländern wirtschaft-
lich und politisch näher zu kommen.)



die folgen finden sich in form von unzugänglichkeit, selbstisolierung und bera-
tungsresistenz.
die verwirklichung der eigenen überzeugungen bleibt unver-
ändert als lebensziel erhalten
, so dass davon auszugehen ist, dass auch nach
einer beendigung der heissen kampfphase sich nichts an der
subjektiv empfun-
denen
richtigkeit der eigenen überzeugungen ändern und damit die gefährlich-
keit, die von Putin ausgeht, nicht vorbei sein wird.



angesichts eines solchen gefährdungsausmasses, dessen auswirkungen sich
bereits heute nach nur fünfwöchigem krieg
weltweit bemerkbar machen, kommt
als lösung nur eine frei-heitsentziehende massnahme in frage, um den rückweg
in die internationale gesellschaft für die russische regierung wieder zu eröffnen.


falls es in Russland den deutschen PsychKGs entsprechende gesetze geben
sollte, böten sie wenigstens eine theoretische möglichkeit, das grauen zu been-
den.



andererseits wäre es nicht schlecht, wenn es ein UN-gremium gäbe, das eine
solche massnahme veranlassen könnte,
zum schutz davor, dass ein einziger
kranker mensch durch sein handeln die gesamte welt in brand stecken kann
.



solange Putin an der macht ist, ist nicht damit zu rechnen, dass er sich von sei-
nen überwerti-gen ideen trennt. er wird weiterhin alles versuchen, um seine vor-
stellungen durchzusetzen. mit einer eventuellen beendingung der kampfhand-
lungen in der Ukraine wird Putin sein ziel, Europa für ihn und Russland unge-
fährlich zu machen, nicht aufgeben.




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april 22